Eine Zukunft für Belugas? Oceanogràfic València 

Einleitung

Dieser Blog wurde übersetzt von: https://robbenfelsen.wordpress.com/  "Mehr über Orcas, Delfine, andere Tiere und Zoos findet ihr in diesem Blog 

Der Beluga oder Weißwal (Delphinapterus leucas) ist ein arktisches und subarktisches Meeressäugetier. Mit seinem enormen Umfang, einzigartiger Form und leuchtendweißer Farbe ist er eine der am besten zu erkennenden von über 90 Walartigen die auf diesem Planet leben. Sie können 5 Meter lang werden und durch die Anpassung an das kalte Wasser haben sie ein charakteristisches Aussehen; einen besonders runden und glatten Körper, keine hervorstehenden Körperteile (wie eine Rückenfinne oder Schnauze) und einen großen, bulligen Kopf. Das verleiht ihnen für viele ein rührendes und niedliches Aussehen. Der Beluga ist auch bekannt als die “Kanarie der See” wegen des enormen Repertoirs an hohen piepsenden und klickenden Tönen. Er kann sogar andere Geräusche -wie die menschliche Stimme- imitieren. Er ist verwandt mit und ungefähr gleich im Aufbau mit dem genauso gut wiedererkennbaren Narwal. Er ist die einzige andere Art in der Familie ”Monodontidae” neben dem Beluga. Diese zwei Arten werden oft zusammen beobachtet, wobei sie zusammen wandern und auch miteinander sozialisieren. Ferner wurde auch ein Schädel entdeckt mit Merkmalen von sowohl Beluga als auch Narwal, was die Hypothese untermauert, dass diese zwei Arten sich auch untereinander fortpflanzen können. Weil der Beluga so gut zu erkennen ist und so ein niedliches Aussehen hat, ist die Art bei vielen Menschen sehr beliebt. Das war allerdings nicht immer so. Es ist allgemein bekannt, dass mehrere einheimische Völker und Stämme wie die Inuit jahrhundertelang Belugas jagten, aber im 19. Jahrhundert und Beginn des 20.Jahrhundert wurden sie auch aktiv gejagt von Nicht-Einheimischen. Belugas sind für Jäger eine einfache Beute gewesen durch ihre vorhersehbaren Migrationsrouten und ihre hohe Populationsdichte wenn die Tiere sich im Sommer in großen Zahlen versammelten. Der kommerzielle Walfang durch Europäer, Amerikaner und Russen im 18. und 19. Jahrhundert hat die Belugapopulationen im Nordpolgebiet drastisch abnehmen lassen. Es wurde auf die Tiere Jagd gemacht wegen ihres Fleisches, Blubbers (Fett) und ihr Öl wurde benutzt als Schmiermittel für Uhren, Maschinen und Leuchtturm-Beleuchtung. Selbst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Belugaleder noch benutzt für Pferdegeschirr, Maschinenriemen für Sägewerke und sogar Schnürsenkel. Belugaleder wurde auch benutzt um einige der ersten kugelsicheren Westen anzufertigen. Gegenwärtig wird der Beluga von vielen Menschen auf der ganzen Welt geliebt und wenige wollen dem Tier etwas antun. Da diese Tiere hauptsächlich in arktischen Gewässern leben, (wodurch es für viele Menschen kaum möglich oder unmöglich ist, einen Beluga in freier Wildbahn zu sehen), haben Aquarien und Delfinarien eine große Rolle gespielt, die Popularität des Belugas zu fördern, wovon er heutzutage profitiert.. 

 Fotos: Belugas Yulka und Kylu Oceanogràfic, einem Aquarium in Valencia Spanien Der einzige andere Ort in Europa der Belugas hält neben dem SEALIFE Trust beluga sanctuary in Island, das ich im Sommer 2020 besuchte. 

                                          Belugas in Menschenobhut

Belugas waren die erste Walart die bewusst gefangen wurde um sie in Menschenobhut zu halten. 1861 wurden 3 Tiere vom Boston Aquarial Gardens erworben, einem Aquarium in Boston, USA. Die Tiere waren sehr populär und zogen eine enorme Besucherzahl an.Nicht lange danach interessierte sich auch der berüchtigte Showman Phineas Taylor Barnum für diese “Weißen Wale”. Er kaufte 2 der 3 Tiere des Boston Aquarial Gardens und stellte sie in seinem Museum zur Schau. Diese Belugas überlebten leider nicht lange. In den folgenden Jahren gab P.T. Barnum noch den Auftrag, eine große Zahl Belugas zu fangen. Durch den Mangel an Wissen und die schlechte Versorgung im 19. Jahrhundert starben viele dieser Tiere schon kurz nach ihrer Ankunft. 1877 fingen verschiedene Unternehmer des Coney Island New York (bekannt durch ihr großes Angebot an Attraktionen und Kuriositätenkabinette für Unterhaltung) auch eine große Zahl Belugas. Ungefähr zur selben Zeit begannen auch verschiedene englische Aquarien ein Interesse an der Art zu zeigen. Am Ende des 19. Jahrhunderts hielten schon viele Einrichtungen Belugas, wie die Aquarien von Westminster, Manchester und Brighton. In allen drei Aquarien wurden Belugas eher als Attraktion oder Kuriosität behandelt anstatt als Tierart. Die kurze Lebensdauer dieser in Gefangenschaft lebenden Tiere und der hohe Kaufpreis von neuen Exemplaren sorgte dafür, dass viele Einrichtungen auch schell wieder die Haltung beendeten. Das sorgte für eine lange Pause im Halten dieser Art. Erst um 1960 sollten Belugas wieder in Gefangenschaft erscheinen. Dieses Mal in der modernen Tierhaltung, in der Art wie wir sie heute noch kennen.

Fotos: Im 19. Jahrhundert (1801 bis 1900) waren Belugas eine Neuheit für die Allgemeinheit. Es war eine Seltenheit sie lebend zu sehen und das Zurschaustellen der Tiere zog enorme Menschenmengen an.

                                          Belugas in modernen Tierparks

Wir haben einen langen Weg zurückgelegt seit dem 19. Jahrhundert und zur Zeit sind Belugas eine der am häufigsten gehaltenen Walarten in Menschenobhut. Sie werden in Aquarien, Delfinarien und anderen Zoos gehalten in Nordamerika, Europa, Russland und Asien. Die größte Anzahl dieser Tiere lebt n Russland und Asien (mit einer geschätzten Anzahl zwischen 100 und 200 Tieren, vielleicht sogar mehr) und ungefähr 85 Tieren in westlichen Einrichtungen von USA, Kanada und der EU. Diese Tiere leben in verschiedenen Einrichungen. Einige sind klassische Delfinarien wo die Tiere auch für Shows oder Präsentationen genutzt werden. Andere leben in einem Aquarium oder Zoo, wo sie öffentlich zu beobachten sind. In beiden Fällen werden die Tiere trainiert für medizinische und Unterhaltungs-Zwecke. Seit 2019 hat eine Einrichtung in Island eine andere mögliche Haltung eingeführt, ein sogenanntes "Sanctuary" . Hier leben die Tiere noch in Menschenobhut aber ihr Zuhause ist so natürlich wie möglich. Das Ziel dieser Auffangstationen ist es, Tieren die früher in Delfinarien lebten, eine Art von ‘Altersruhesitz’ zu geben. Dabei sollen sie ein natürlicheres Leben bekommen, ohne in Shows aufzutreten. Diese Vision stammt aus der häufigen Ansicht, dass das Halten von Walartigen in Menschenobhut und vor Allem das Auftreten in Shows oder Vorstellungen nachteilig ist oder sogar Tierquälerei. Auch wenn es schon immer Gegner der Wal- und Delfinhaltung gab, ist diese Ideologie erst in den letzten 10 Jahren so populär geworden.

Abbildungen: Links: ein Werbebild einer Belugashow im "Boston Aquarial Gardens" von 1861. Hier wurden die ersten in Gevangenschaft lebenden Belugas gehalten. Rechts: eine Zeichnung aus einem Tagebuch von einem 11-järigen Mädchen die auf einer Schulreise eine dieser Vorstellungen besuchte. Sie schrieb: “Ich besuchte wieder den Boston Aquarial Gardens. Wir sahen den Wal der von einem Mädchen gesteuert wurde. Sie saß in einem Boot und der Wal war daran festgemacht mit Zügeln und einem Halsband das um seinen Hals ging. Die Männer mussten dem Tier folgen und es fangen, um das Halsband umtun zu können"..

SEALIFE Trust beluga whale sanctuary

Ich habe 2020 die Einrichtung in Island besucht, das "SEALIFE Trust Beluga Sanctuary" und habe da einen  eigenen Artikel drüber geschrieben mit meinem Eindruck des Ortes und einem Interview. Ich rate dazu, auch diesen Artikel zu lesen um vollständig auf dem aktuellen Stand zu sein über dieses Unternehmen. Aber ich gebe hier auch eine kurze Einleitung zu dieser Einrichtung: Die bekannteren Personen aus der Welt der Tierrechtsaktivisten nennen diese “Sanctuaries” eine bessere Alternatve für die heutige Haltung von Walartigen in Tierhaltungen wie Delfinarien oder Zoos. Auch wenn das Konzept über viele Jahre so genannt wurde, hatte niemand bis jetzt einen echten professionellen Vorstoß gewagt (die misglückten und oberflächlichen Projekte wobei Tiere tatsächlich starben nicht mitgerechnet). Darum war es umso überraschender, dass Merlin Entertainments, eine großer Mitspieler in der Vergnügungspark – und Aquariumsindustrie, als erstes einen seriösen Vorstoß machte, um so ein Sanctuary zu bauen, speziell für Belugas. 2019 schiffte SEALIFE Trust 2 Belugas aus einem chinesischen Delfinarium, gekauft von Merlin Entertainments, nach Island um sie auf ihr neues Leben im ersten Belugareservat vorzubereiten. Der Ort des Sanctuaries ist die Klettsvikbay, dieselbe Bucht in der der berühmte Orca "Keiko" der "Free Willy"-Filme gehalten wurde im Versuch, ihn wieder auszuwildern. Das Projekt ist während ich diesen Artikel schreibe noch im Gange und die Tiere leben noch in einem Innenbereich, und warten noch immer darauf, in die Bucht umgesiedelt zu werden.

Oceanogràfic

Während ich für meinen Artikel über die Belugas in Island recherchierte, fiel mir etwas auf: Auch wenn Belugas nach dem Großen Tümmler die am meisten gehaltene Walart in Menschenobhut ist, gibt es nur zwei Einrichtungen in Europa die diese Art halten (abgesehen von Russland und der Krim). Die sind eben das SEALIFE Trust Beluga Sanctuary in Island und ein Aquarium namens Oceanogràfic Valéncia in Spanien. Das weckte mein Interesse, denn Oceanogràfic hält Belugas nicht nur, sie hatten auch die erste erfolgreiche Belugageburt in Europa. Mir kam die Idee, beide Einrichtungen -In Island und Spanien- zu besuchen und die Art der Haltung, Versorgung, Beschäftigung, aber auch ihre Sicht auf die Zukunft dieser Art in Menschenobhut (und allgemein) zu vergleichen. Da es genau in die Zeit der Coronapandemie fiel, dauerte es etwas, einen Besuch zu realiseren, aber letztendlich ist es mir geglückt! Seht hier meinen Bericht nach einem Besuch im Oceanogràfic València.

Was ist Oceanogràfic?

Oceanogràfic ist ein öffentliches Aquarium der Stadt Valencia in Spanien. Es ist Teil des “Ciutat de les Arts i les Ciències”, auch bekannt als Stadt der Künste und Wissenschaften. Es wurde am 13. Februar 2003 eröffnet und ist als größter Aquariumcomplex Europas bekannt. Das Aquarium beherbergt über 20.000 Tiere in ungefähr 600 Arten wie: Delfine, Belugas, Seelöwen, Seehunde, Pinguïne, Meeresschildkröten, Haie, Rochen und viele verschiedene Vögel, Fische, Schalentiere und andere Wassertiere. Neben der Edukation (durch die vielen Tiere die im Park zu sehen sind), fängt Oceanogràfic auch Meeresschildkröten auf, und hat viele Initiativen um wilde Tiere zu schützen und zu erhalten, vor allem auch lokale und einheimische Arten in Spanien.

Dieser Park hält seit 2003 Belugas, als zwei Tiere (Männchen und Weibchen) aus dem Mar del Plata-Aquarium in Argentinien kamen. Diese Belugas leben im "Ártico", einem gigantischen Iglu, das 12 Meter hoch ist und in zwei Etagen unterteilt ist, die das Ökosystem zeigen, in dem Belugas und viele andere Arten vorkommen. Hier leben die Tiere in 4 Millionen Litern Meerwasser. Momentan leben zwei Belugas in diesem Gehege, nämlich Yulka, ein erwachsenes Weibchen, und ihr Sohn Kylu, der 2016 geboren wurde. Kylus Vater war ein Männchen namens Kairo, der ursprünglich mit Yulka ankam, er starb leider im April 2022. Oceanogràfic hat noch drei weitere Arten Meeressäuger: Seehunde, Mähnenrobben und Große Tümmler.

 Fotos: Oceanogràfic, ein moderner Tierpark und Aquarium in Valencia, Spanien. Weithin bekannt als größter Aquariumcomplex Europas. 

Edukation & Arterhaltung

Die Stiftung “Oceanogràfic Foundation” wurde eingerichtet, um die Arbeit von Oceanogràfic, den Schutz der Meeresumwelt zu unterstützen und auszuweiten. Die Mission der Oceanogràfic Foundation ist es, die Meere zu erhalten indem sie Wissen und Anteilnahme am Leben im Meer verbreitet. Das geschieht durch sowohl direkte Aktionen wie dem Vorstellen der Tiere im Park, als auch dem allgemeinen Verbreiten von Bewusstsein. Das soll geschehen indem man die Menschen zu einem respektvollen Umgang mit den marinen Ökosystemen als Ganzes ermutigt. Die Stiftung besteht neben der Treuhandschaft aus einem wissenschaftlichen Komitee und einem Team von Wissenschaftlern die ihr Leben dem Erhalt der Natur widmen.

Im Lauf der Jahre hat die Stiftung hunderte Aktionen durchgeführt, um am Naturerhalt und der Edukation der Öffentlichkeit teilzunehmen:

Fotos: “Die Oceanogràfic Foundation in Zahlen” ist eine Übersicht im Park, die Besuchern die Initiativen des Jahres 2021 zeigt. Darunter: 644 gerettete Meeresschildkröten (714 während meines Besuchs), 88 zusammenarbeitende Institutionen, 17 Ausbildungen und Masterarbeiten, 151 wissenschaftliche Publikationen, 201 Auswilderungen von Meeresschildkröten mit edukativem Ziel, 95 Beiträge bei Konferenzen, 24 Untersuchungen, 15 promovierte Doktorarbeiten, 121 untersuchte Arten, 648 Schildkröten die an wichtigen Projekten teilnahmen, 29 Strandsäuberungen, 108 Untersuchungs- und Naturschutzprojekte, 582 Autopsien an Tieren für wissenschaftliche Zwecke, 63 Rettungen von gestrandeten Tieren in Not, und 127 Aufklärungsaktionen.

Das ist eine Übersicht über einige der zahlreichen Projekte und Initiativen die ich selbst im Park sah, hinter den Kulissen. Viele der Gehege im Park enthalten lokale Tiere die wieder aufgepäppelt werden oder für wissenschaftliche Zwecke gezüchtet werden oder um sie wieder auszuwildern. Es gab auch Gehege wo lokale Vögel kommen und gehen konnten, und viele entschieden sich dazu, für immer im Park zu bleiben.

  • Arca del Mar: Das ist ein veterinärmedizinisches Krankenhaus das die kranken Tiere versorgt, die an den spanischen Küsten stranden. Es wurde 2007 eröffnet und bietet veterinärmedizinische Versorgung vor Allem für verwundete und gestrandete Schildkröten und Meeressäuger, aber auch für Tiere wie Haie. Das Ziel ist, sie zu rehabilitieren, so dass sie wieder in ihr ursprüngliches Umfeld ausgewildert werden können.
  • Taucherkrankheit bei Meeresschildkröten: 2012 entdeckte das Oceanogràfic-Team, dass Schildkröten anfällig für die Taucherkrankheit (DCZ) sind, wenn sie sich in Fischernetzen verfangen. Diese Entdeckung, die international stark beachtet wurde, formte eine Untersuchungstagung, da sie die wissenschaftliche Überzeugung widerlegte, dass Meerestiere nicht an der Taucherkrankheit leiden können.
  • Tauchphysiologie: Das Projekt studiert die Effekte von Apneu während des Tauchens in verschiedenen Aspekten wie Metabolismus, Kardiorespiratorische Funktion und allgemein auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere.
  • Tracking wilder Delfine im offenen Meer: Delfine werden als Botschafter der Gesundheit ihres Ökosystems angesehen. Indem man ihnen folgt und sie beobachtet, bekommt man nicht nur tiefgreifende Erkenntnisse über die Art, sondern kann auch den Zustand der Meere evaluieren.
  • Erhalt der Biodiversität des Meeresbodens und des Dorfes Jávea:  Das Projekt nutzt eine neue Herangehensweise auf dem Gebiet der Erhaltung des Meeresbodens indem alle Faktoren die damit verbunden sind, einbezieht: Untersucher, Obrigkeitsdienste, lokale Interessenten und Bürger.
  • Aalzucht in Menschenobhut: Der europäische Aal ist eine Art, die vom Aussterben bedroht ist. Dennoch ist die Zucht in Gefangenschaft keine einfache Aufgabe, weil er sich nicht spontan fortpflanzt. Dieses Projekt konzentriert sich auf das Entwickeln von Techniken um die Zucht von Aalen zu ermöglichen.
  • Aufzucht junger Seeschildkröten: Dank des Schutzes ist das Fortbestehen der Meeresschildkröten, die an lokalen Stränden schlüpfen oder im Oceanogràfic ausgebrütet werden, gesichert während der kritischsten Phase ihrer Entwicklung.
  • Herstellungsprojekte: Säubern von Stränden und Meeresböden: Mit Hilfe von Freiwilligen wird Umweltschutz in verschiedenen Habitaten ausgeführt. Diese Aufgaben umfassen das Einsammeln von Abfall und das aufforsten und wiederansiedeln einheimischer Fauna im Gebiet von Binnengewässern und Flüssen, und auch Küstengebieten der Valenzinischen Gemeinschaft.
  • Wiederherstellung von aus Versehen gefangenen Hai-Eiern: Dank der Zusammenarbeit mit dem Fischereisektor werden überlebensfähige Hai-Eier gerettet nachdem sie aus Versehen von Fischerbooten in Valencia gefangen wurden. Sie bleiben bis sie schlüpfen, und werden dann wieder ins Meer zurückgesetzt.

 Fotos: Arca del Mar und Hinter den Kulissen bei der Meeresschildkrötenauffangstation. Auch Schutzprojekte für heimischen Tierarten.

  • Das Züchten von lokalen bedrohten Tierarten in Menschenobhut: die Oceanogràfic Foundation nimmt gemeinsam mit dem regionalen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt, Klimaveränderung und Festlandentwicklung teil an Projekten für heimische, bedrohte Tierarten, wie die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni), Spanischen Rippenmolch (Pleurodeles waltl) und den Valencia Zahnkarpfen (Valencia hispanica) um die Populationen zu vergrößern durch züchten oder das halten der Jungen in den ersten Lebensmonaten um ihr Überleben zu sichern. Die Exemplare die in diesen Projekten gezüchtet werden, werden in der Natur ausgewildert, und es werden auch weitere Aktionen unternommen, wie das Wiederherstellen von Tümpeln in ihrem Ursprungslebensraum.
  • Renaturierung wichtiger Wasserscheiden für Amphibien und Biodiversität: Wassereinzugsgebiete sind ein Zufluchtsort für zahllose seltene und bedrohte Arten, darunter Pflanzen, Wirbellose und Amphibien. Die Renaturierung dieser Mikrohabitate spielt eine entscheidende Rolle im Bewahren der Populationen von Amphibien und anderen Arten. In diesem Kontext arbeitet die Oceanogràfic Foundation am Renaturieren diverser Wasserscheiden. Das wird möglich gemacht durch die Hilfe von lokalen Organisationen und Freiwilligen.
  • Züchten verschiedener Fischarten in Menschenobhut: Oceanogràfic züchtet verschiedene Fischarten. Das wird getan, um diese Tiere mit anderen Aquarien und Zoos weltweit auszutauschen. Das Ziel dieser Zuchtprogramme ist es, zu verhindern, dass wilde Tiere gefangen werden um Aquaren und Zoos mit Nachschub zu versorgen.
  • Studie über die Interaktion zwischen Delfinen und Fischfanggeräten: Es werden zurzeit relevante Studien durchgeführt zur Interaktion zwischen Tümmlern (Tursiops truncatus) und Spiegelnetzen lokaler Fischer. Das Ziel ist es, die Koexistenz zwischen lokaler Fauna, (in diesem Fall Delfine) und traditioneller Fischereiberufe zu verstärken. Um so auch den Fortbestand beider zu sichern.
  • Das Beringen von Flamingos: Die Stiftung fördert ihre Wissenschaftler mit einem jährlichen Event um große Schwärme junger Flamingos zu beringen für wissenschaftliche Ziele. Jedes verwundete Tier, das gefunden wird, wird ins Auffangzentrum des Parks gebracht. Einige Tiere entscheiden sich dazu, im Park zu bleiben und verbleiben dann permanent im Auffangzentrum.
  • Kommunikaton mit einer Information für lokale Fischer: Durch aktive Kommunikation mit lokalen Fischern kann sowohl das Bewusstsein über die Wichtigkeit des Erhalts lokaler Arten vergrößert werden, als auch erreicht werden, dass die Fischer eventuelle Veränderungen im Milieu der Fauna melden können. Auch helfen die Fischer und melden Tiere, die sich in Netzen und anderem Fischfanggerät verheddert haben.
  • Probendatenbank: Oceanogràfic besitzt eine aktive Datenbank mit Proben von vielen Arten die im Park leben. Diese Proben können benutzt werden, um wissenschaftliche Untersuchungen auf der ganzen Welt zu unterstützen. Sie unterhalten auch eine Datenbank von Krankheiten und Krankheitserregern des Strandungsnetzwerks außerhalb des Parks, -was genauso wichtig ist, wie gesunde Proben – für Untersuchungszwecke.

 Fotos: eine Auswahl Arten die Oceanogràfic züchtet und rehabilitiert, um sie wieder auszuwildern.

Belugas im Oceanogràfic València

Momentan leben zwei Belugas im Oceanogràfic. Ein ausgewachsenes Weibchen namens Yulka und ihr Sohn Kylu, geboren am 15. November 2016. Bis vor kurzem waren es noch drei Tiere im Park: Kylus Vater Kairo starb am Abend des 26. April 2022. Er wurde auf mindestens 60 Jahre geschätzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er fast 20 Jahre im Oceanogràfic gelebt. Yulka und Kylu sind einfach auseinander zu halten. Auch wenn sie mittlerweile fast gleich groß sind, hat Kylu noch immer eine dunklere Färbung und graue Zeichnungen auf seinem Körper, vor allem um seine Augen. Das ist ein Überbleibsel aus der Zeit als er noch ein Kalb war, da Belugas vollständig dunkelgrau geboren werden. Bei einem jungen Beluga ist die äußere Lage der Epidermis sehr dick im Vergleich mit einem Ausgewachsenen. Die Struktur der Haut des neugeborenen Tieres ist sehr unstabil, wodurch das Tier sich im Lauf der Zeit von dunkelgrau zu weiß verändert. Es dauert einige Jahre bis das Tier komplett weiß ist, manche Tiere behalten sogar ihr ganzes Leben lang einige graue Flecken. Auch im Verhalten unterscheiden sich die Tiere. Während Yulka älter ist und mehr Lebenserfahrung hat, ist Kylu manchmal etwas relaxter und schaut sich neue Dinge am Liebsten aus der Entfernung an. Auch ist Kylu etwas verspielter und neugieriger, was typisch für ein junges Tier ist. Beide Tiere sind durch ein Unterwasserfenster zu sehen, aber auch von oben durch eine Glasscheibe. Wir durften auch hinter die Kulissen schauen, um das Trainerteam und die Versorger zu treffen und die Tiere aus der Nähe zu beobachten. 

 Fotos: Links und Mitte Yulka, das erwachsene Weibchen vom Oceanogràfic. Rechts: Kylu, ds junge Männchen, hier geboren 2016.

Was für mich interessant war, als ich die Einrichtung in Island besuchte, und dort ein Interview hielt, war deren Vision: Wörter wie Tierwohl, Edukation, Arterhalt und Existenzrecht als Einrichtung waren Themen, die während des Gesprächs über die Tiere zu Tage kamen. Obwohl das natürlich tolle Ziele sind, ist das praktisch dieselbe ideologie die moderne Zoos haben. Und während ich mit den Spezialisten in Oceanogràfic sprach, bekam ich viele ähnliche Antworten, sogar fast dieselben Antworten als die die ich in Island bekam. Ich hatte die Gelegenheit mit Dr. Daniel García-Párraga zu sprechen, dem Direktor der Zoologie, Direktor und Koordinator des wissenschaftichen Komitees der Oceanogràfic Foundation, technischer Direktor der Tiermedizin und essenzieller Mitarbeiter an verschiledenen Untersuchungen und Initiativen. Ich habe ihm die folgenden Fragen gestellt:

Wieviele Belugas leben im Park und wie lange ist diese Art schon im Besitz des Parks?

Wir haben Yulka, die Mutter die hier 2003 ankam, und Kylu, ihr Sohn, der 2016 geboren wurde. Es gab noch Kylus Vater Kairo der kürzlich verstarb. Er war vermutlich mindestens 60 Jahre alt. Er wurde auch "der Opa" genannt in den Zoos in denen er vorher lebte, wonach er noch fast 20 Jahre bei uns lebte”.

Wo kommen die Tiere her?"

“Das Männchen und Weibchen (Kairo und Yulka) kamen 2003 aus Argentinien. Sie kamen aus dem Aquarium "Mar del Plata". Sie machten schwierige Zeiten durch währen der Rezession. Der vorige Besitzer von Oceanogràfic kaufte verschiledene Tiere des Aquariums und verteilte sie über verschiedene Einrichtungen in Spanien. So kamen die Belugas (ich denke, dass sie ursprünglich aus Russland nach Argentinien kamen) und auch einige Tümmler nach Oceanogràfic”.

Welche spezielle Pflege brauchen Belugas im Vergleich mit den anderen häufiger gehaltenen Walartigen (wie Tümmlern?)
"Als erstes ist die Wassertemperatur und Lufttemperatur natürlich anders. Belugas leben in arktischen und subarktischen Gewässern, wo Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit extrem sind. In Bezug aufs Futter haben Belugas eine sehr variable Diät, daunter auch Kopffüßer, und es sind Tiere, die dazu gemacht sind, Fastenperioden einzuhalten. Das bedeutet nicht, dass es Zeiten gibt, wo wir die Tiere nicht füttern, aber wir müssen aufpassen ihren Futterbedarf einzuhalten. Es ist auch sehr wichtig für die Trainer und Versorger ein inniges Verhältnis mit den Tieren aufzubauen. Damit sie viel Aufmerksamkeit bekommen und das Individuum alles bekommt was es nötig hat. Indem sie mit ihnen arbeiten und eine Verbindung mit den Tieren aufbauen, merken die Versorger direkt wenn etwas nicht stimmt am Verhalten der Tiere”..
Wie groß ist das Becken? (in Litern)

"4 Millionen Liter für die Tiere, plus etwas Platz für den Filterraum”.

Kriegen die Belugas ein Training oder medizinisches Training? Wenn ja, welche Art?"

"Ja natürlich! Wir nehmen mindestens einmal im Monat eine Blutprobe, gemeinsam mit anderen möglichen Proben, wie eine Atemprobe, Urinprobe, Kotprobe etc Auch können wir eine Endoskopie, einen Ultraschall und andere Routinekontrollen durchführen. Wir können alle Ergebnisse selbst auswerten, wie zum Beispiel die Blutergebnisse innerhalb einer Stunde auswerten. Wir beobachten, dass die Belugas etwas neugieriger sind als zum Beispiel die Tümmler, weil sie spezieller in der Versorgung sind. Wir haben eine Waage auf unserer Plattform, aber haben gemerkt, dass wenn Wasser mit der Waage in Kontakt kommt, das Resultat weniger genau ist. Kylu konnten wir früher ausserhalb des Wassers wiegen, bis er wuchs (bis 400 kg) aber mit seinem jetzigen Gewicht ist das nicht mehr möglich. Die Methode die wir nun benutzen, ist das Abmessen der Körperlänge und den Umfang an zwei Stellen des Körpers. So berechnen wir das Gewicht, was eine genauere Formel ist, um das Gewicht zu ermitteln.

Wir haben auch Verhaltenstraining und medizinisches Training, Untersuchungstraining, Training um die soziale Bindung zu festigen, und Wasserarbeit-Training. Wieviele Einheiten die Tiere bekommen, variiert von Tag zu Tag. Meist sind es mindestens 15 Einheiten pro Tag und die Einheiten sind immer verschieden in der Länge”..

Wieviele Spezialisten versorgen die Belugas zur Zeit und habt ihr einen eigenen Tierarzt vor Ort?

"8 bis 9 Trainer arbeiten mit den Tieren. Jedes Tier hat sein eigenes Team Versorger von ungefähr 4 Menschen die speziell für dieses Tier eingeteilt sind, aber alle Trainer wissen wie sie mit beiden Tieren umgehen und sie trainieren müssen. Das Wohlbefinden unserer Tiere wird durch ein großes Team mit verschiedenen Funktionen sichergestellt: Tierpfleger/Trainer, ein Funktionär für Tierwohlsein, Kuratoren, Tierärzte, ein zoologischer Direktor und Assistent, ein biologischer Management Kontrolleur (CACSA-staf), Wissenschaftler, Kommiteemitglieder für Versorgung und Wohlbefinden, Kommiteemitglieder für Beschäftigung und externe Berater. Wir haben auch eine "Whistleblower Regel" wo jeder dieser Menschen in der Hierarchie oder sogar andere Menschen außerhalb des Sektors anonym eventuelle Bedenken melden können, inklusive möglicher Fehlverhalten oder Unrechtmäßigkeiten. Es sind 9 Tierärzte mit den Tieren betraut. Ungefähr 3 sind klinische Tierärzten die hier sind um eingreifen zu können oder Prozeduren auzuführen, dann gibt es noch zwei auf Managementniveau (darunter ich selbst) die nicht direkt mit den Tieren arbeiten, sondern die Kapazität haben, zu helfen oder Rat zu geben bei komplizierten Fällen. Dann gibt es noch Tierärzte die von uns durch die Stiftung und das Strandungsnetzwerk und Untersuchungsprogramme beschäftigt werden. Sie tauschen Kenntnisse mit dem Rest des Team aus, aber sie arbeiten nicht direkt mit unseren Tieren, weil wir keine Übertragung von Krankheiten wollen. Alle tiermedizinischen Untersuchungen sind genau für das individuelle Tier entworfen worden und wir gründen unser Medizinprogramm auf das Verhindern von Krankheiten oder Verletzungen anstatt diese nur zu behandeln”.

Woraus besteht die Ernährung der Tiere?

"Sie haben eine Ernährung aus Lodde, Hering, Tintenfisch und anderen Kopffüßern (wie Oktopus zur Beschäftigung), Seehecht, Wittling und verschiedene Vitamine und Spurenelemente. Gelatine kann auch benutzt werden, um etwas extra Feuchtigkeit zu geben”.

Es gab sogar eine Geburt, wodurch ihr die erste Einrichtung in Europa seid, die diese Art erfolgreich gezüchtet hat. Wie wurde das ermöglicht?

Es ist richtig, dass wir die einzige Einrichtung in Europa sind, wo ein Beluga erfolgreich geboren wurde. Das Züchten von Belugas in Menschenobhut ist kompliziert. Sie unter den richtigen Gegebenheiten zu halten ist noch recht neu. Sie haben nur eine fruchtbare Periode im Jahr, was gleichbedeutend ist mit einem fruchtbaren Tag pro Jahr. Wenn an diesem Tag keine erfolgreiche Befruchtung stattfindet, muss man wieder ein Jahr warten. Wir konzentrierten uns auf die Fortpflanzung, weil wir die einzigen Belugas in Europa hatten. Unser Ziel war daher (neben dem Wohlergehen der Tiere) die Art in Menschenobhut zu verbreiten helfen, so dass wir die Tiere auch für wssenschaftliche Untersuchungen nutzen können. Mit Untersuchtungen, die man in der Wildnis nicht durchführen kann. Mütterliche Fürsorge der Belugas basiert nicht nur auf Instinkt, sondern vor Allem auf sozialer Kultur. Die Weibchen in der Wildnis bringen einander wichtige Mutter-Fürsorge bei. Weil wir nur ein Weibchen hatten, war das für uns nicht möglich.

Wir mussten das Kalb die ersten 6 Monate von Hand füttern. Das war sehr schwierig, weil Neugeborene abhängig sind von den Immunoglobulinen in der Muttermilch. Wir wussten, dass das Kalb, wenn es die Milch nicht bekommt, an Infektionen leiden könnte. So nahmen wir Plasma aus der Blutprobe der Mutter um diese Antikörper zu extrahieren und das Immunsystem des Kalbs zu unterstützen. Auch das richtige Milchformula für Belugas kannten wir nicht, aber wir nahmen Kontakt auf mit SeaWorld, Vancouver Aquarium und Shedd Aquarium, die damit Erfahrung hatten und uns halfen. Weil wir wussten, dass in der Wildbahn die Erstgeburt meist nicht ohne Komplikationen ist, waren wir gut auf jedes Szenario vorbereitet. Das machte die Geburt und erfolgreiche Aufzucht von Kylu möglich”.

Diese Geburt war bestimmt für die Forschung ein sehr wertvolles Ereignis, werden oder wurden Forschungen mit den Belugas von Oceanogràfic durchgeführt?"

"Ja, zur Zeit publizieren wir ungefähr 15 - 20 wissenschaftiche Artikel pro Jahr. Nicht nur über die Belugas, sondern auch über unsere Delfine, Schildkröten und viele andere Tiere die in unserem Park leben. Mit den Tieren hier in unserem Park haben wir eine tolle Gelegenheit, da wir sie trainieren können um mit Wissenschaftlern und Forschungsexperten zusammen zu arbeiten. Dadurch ist es möglich, Proben zu nehmen, die Tiere aus der Nähe zu beobachten oder Apparate am Tier anzubringen. Sachen die man bei wilden Tieren normaler Weise nicht machen kann, ohne sie zu stören und ihnen viel Stress zuzufügen. Manche Untersuchungen können in freier Wildbahn gar nicht gemacht werden ohne den Tieren zu schaden, aber manche Untersuchungen können wiederum nicht in Gefangenschaft gemacht werden ohne falsche Resultate zu bekommen. Darum nehmen wir an beiden teil. Zum Beispiel; Forscher Audra Ames vergleicht akustische Merkmale von Mutter-Kalb-Kontaktrufen, die in unserem Park studiert wurden, mit wilden Narwalen in Grönland. Studien von Oceanogràfic wurden benutzt um de Lautäußerungen von Narwalen im Nordpolgebiet zu entziffern. Auch haben wir hier Studien durchgeführt zur Gehörkapazität und wie Geräusche vom Schiffsverkehr sie beeinflussen können. Dadurch kann das, was wir hier in Menschenobhut tun, direkt übertragen werden auf Forschungen in der freien Wildbahn. So können wir das sogar auf gerettete Tiere anwenden. Im Fall von Kylus Geburt: wir haben eine Spritze entwickelt, um die Milch im Maul der Kälber zu dosieren. Da neugeborene Walartige die Milch nicht wirklich säugen wie andere Säugetiere, sondern da die Mutter die Milch ihnen die Milch regelrecht ins Maul spritzt. Während das Kalb sich anschickte zu saugen, konnten wir diese Spritze mit unseren Fingern bedienen, um die Milch in das Maul zu spritzen für eine natürlichere Erfahrung fürs Kalb. Diese Technik wurde hier entwickelt und wird nun auch bei der Rehabilitation von dem gestrandeten Belugakalb in Alaska,Tyonek, angewandt. Momentan arbeiten wir auch zusammen mit einem Strandungsnetzwerk, so dass all unser Wissen eingesetzt werden kann für gestrandete Meeressäuger. Zur Zeit versuchen wir auch, beizutragen am Aufbau von Auffangzentren an Orten wie den Galapagosinseln und in Thailand, um zu sehen, was wir dort für den Artenschutz tun können”.

Sehen Sie eine Verbindung zwischen einem Besuch im Oceanogràfic und Dingen wie Naturschutz und Edukation?

"Wir wissen, dass wir durch das Halten dieser Tiere eine Verantwortung haben um an Forschung und Arterhalt beizutragen, aber auch an der Aufklärung der Öffentlichkeit. Unserer Meinung nach ist es die Mission moderner Zoos, Aquarien und Delfinarien, zu versuchen, Menschen aufzuklären und das Zusammenleben mit Tieren zu verbessern. Es ist auch wichtig, die Jugend wieder mit der Natur in Kontakt zu bringen. Als öffentliches Aquarium haben wir die Aufgabe, Menschen und vor allem Kinder mit Tieren und Natur in Kontakt zu bringen.

Natürlich ist es wichtig, zuerst das Wohlergehen der Tiere sicherzustellen, und diese Mission führen wir aus. Zum Beispiel: Wir haben unsere Delfinshow verändert zu einer edukativen Präsentation. Hier kämpfen wir gegen das Problem an, dass Besucher sich beschweren, dass die Präsentationen nun langweilig sind, während andere sich beklagen, dass noch zuviel „Show“idabei ist, wenn wir die Tiere überhaupt dazu trainieren, etwas zu tun. Für uns ist die Botschaft das Wichtigste. Wenn Menschen hierher kommen, und das erste Mal in ihrem Leben einen Beluga aus der Nähe sehen, oder wie die Delfine mit ihren Trainern verbunden sind, is das ein guter Weg die Öffentlichkeit zu sensibiliseren und sorgt für ein Bewusstsein. So nutzen wir diese ‘populären’ Tiere mit denen Menschen sich verbunden fühlen, auch um Aufmerksamkeit auf den Erhalt aller anderen Wassertiere und die Natur als Ganzes zu lenken. Nimm zum Beispiel unsere eigenen Projekte: Wir tun viel für den Schutz von Salamandern, Fröschen, Fischen, Muscheln und Pflanzen, aber es ist viel schwieriger, Menschen darum zu bitten, sich um eine Muschel zu sorgen oder für diese zu spenden, als für einen Beluga. So sind die Belugas, Delfine, Haie und Schildkröten Botschafter, die dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit uns besucht, und die Besucher sich dann in unserem Park befinden, wo sie auch etwas über alle anderen Arten lernen, die unseren Planet bevölkern, und lernen, auch etwas für diese zu empfinden. Das allgemeine Ziel ist es, zu inspirieren für den Schutz von Biodiversität als Ganzes, nicht nur für Meeressäuger. Diese funktionieren sehr gut als übergreifende Arten”.

Was hält die Zukunft für die Belugas im Oceanogràfic bereit?

"Wir möchten diese Art weiter halten, aber nur auf nachhaltige Weise. Zur Zeit sind wir nicht auf der Suche nach einem neuen Beluga, aber wir sind offen, um neue Tiere in Not aufzunehmen. Zum Beispiel wenn ein Tier aus der Ukraine in einem Kriegsgebiet Hilfe nötig hat bei Sicherheitsbedenken oder zum Beispiel ein Auffangtier. Woran wir zur Zeit arbeiten, ist mehr Beschäftigung. Wie das Einführen anderer Meeressäuger wie Seehunde im Lebensraum, und noch mehr Fische oder Wasservögel. Wir wollen auch weiterhin aktiv mitarbeiten bei Forschungen an den Tieren und weiter lernen, wie wir wilde Populationen besser schützen können".

                                                          Beobachtung

Wir durften das Belugagehege hinter den Kulissen besuchen und waren bei einer Trainingseinheit anwesend. Der Komplex besteht aus einem öffentlichen Becken, das für Besucher durch ein Fenster einsehbar ist, aber auch aus einem Beckensystem hinter den Kulissen. Ártico ist für sich schon ein enormer Komplex, aber selbst das Laufen durch den Beluga-bereich war eine regelrechte Wanderung! Das Gebiet war sauber und organisiert, vor Allem für einen Backstagebereich. Die Tiere hatten freien Zugang zu allen Becken. Die blaue und weiße Farbe des Komplexes ist den niedrigen Temperaturen nachempfunden. Wir wurden vom Belugateam erwartet, das für eine Trainingseinheit mit den Tieren bereit stand. Rundum den Komplex sind verschiledene Gänge und Plattformen angelegt, um sich den Belugas zu nähern. Ich wurde auf eine der Plattformen gelassen, um Zeuge vom Training zu sein. Beide Tiere wurden stationiert durch den eigenen anwesenden Trainer. Ab und zu wurden sie zu anderen Stellen am Becken gerufen, was für das Training unterteilt wurde. So können die Trainer und Tierpfleger die Tiere gut managen und sich ihnen auf freiwilliger Basis nähern und sie im ganzen Komplex hin und herschicken. Vor allem die soziale Bindung zwischen den Tieren und ihren Trainern fiel mir auf. Die Tiere reagierten visuell auf die Stimmen und Berührungen der Trainer. Die Belugas benutzten auch Geräusche und übertriebene Mimik um mit ihren Trainern zu kommunizieren. Wo man erwartet hätte, dass das Tier ruhig wäre, und auf das nächste Kommando wartet, waren sie stattdessen sehr aktiv, begierig und verspielt. Auch nach Ende des Trainings blieben die Tiere in der Nähe der Trainer am Beckenrand. Das war ganz eindeutig eine sehr positive Erfahrung für sie. Da die Tiere im direkten Kontakt mit ihren Trainern arbeiten, müssen sie nicht betäubt oder festgehalten werden für physische Kontrollen, kleine Behandlungen, Blutabnahmen oder sogar Transporte. Da das Tier mit dieser “positiven Verstärkungs-”Methode belohnt wird, ist es unwahrscheinlich, dass negative Erfahrungen oder Emotionen mit diesen Routinen verbunden werden. 

Der Trainingsprozess von den Belugas wird mit allem möglichen angereichert, durch die "Positive Verstärkung". Die meisten Menschen kennen es vermutlich als bekannteste Variante dieser Methode: das sogenannte “Clickertraining”, das bei Haustieren sehr beliebt ist. Die Basis dieser Methode ist die Belohnung des Tiers für gewünschtes Verhalten. Wenn das Tier ein ungewünschtes Verhalten zeigt, wird das ignoriert, nicht bestraft. Danach wird das Kommando erneut gegeben. Das wichtigste Ziel dieser Trainingsmethode ist, das Tier gewünschtes Verhalten zeigen zu lassen, ohne Negatives wie Stress, Angst oder Aggression zu erfahren. Die Methode ist sehr erfolgreich weil das Tier nur positive oder neutrale Emotionen erfährt. Darum wird sie gegenwärtig für hunderte Tierarten benutzt. Der Schlüssel für das Trainieren von Meeressäugern ist das Benutzen eines Signals, das dem Tier deutlich macht, dass es das gewünschte Verhalten gezeigt hat, und dass nun eine Belohnung folgt. Dieses Signal wird in Form von einer hochfrequenten Pfeife gegeben. Die Belohnung ist hauptsächlich Futter, da dieses instinktiv eine sehr positive Stimulation für Tiere ist, aber das ist sicher nicht immer der Fall. Die Belugas werden auch mit beispielsweise Spielzeug, Gelatine, Eiswürfeln, Wasserstrahlen oder die Freude des Trainers belohnt (vergieichbar mit zum Beispiel Hundetraining).  

 Fotos: Eine Impression des Belugageheges hinter den Kulissen und den verschiedenen Beschäftigungsmethoden für die Tiere.

Wir kehrten an einem anderen Tag zurück als normale Besucher um zu erfahren, was ein regulärer Besucher im Oceanogràfic erfährt. Der Eingang ist ein beeindruckend futuristischer Bau, so wie verschiedene andere Gebäude im Park. Das verschafft einem eine einzigartige Atmosphäre, die anders ist als in anderen Aquarien. Auch wenn der Park nah an der Stadt Valencia liegt, mit Häusern, die von vielen Orten im Park aus sichtbar sind, störte das die Landschaft nicht wirklich. Im Allgemeinen gab der Park das Gefühl einer grünblauen Oase im Stadtbild. Wasser und Grün ist überall im Park anwesend. Botanisch ist alles eine wahre Lust für das Auge. Wo die Außenbecken blau und steril waren, sind sie nun Lebensräume für die verschiedene lokale Flora und Fauna. Das sorgt dafür, dass es überall unterschiedliche Tierarten zu sehen gibt, was ein toller Zusatz ist um die Landschaft zu erfahren. Bildung ist auf verspielte und bunte Weise deutlich anwesend im Park. Es gibt auch verschiedenee Möglichkeiten um mehr zu erfahren über die Projekte der Oceanogràfic Foundation. Was mir auffiel, waren die deutlichen Botschaften für Naturschutz im ganzen Park, ob es nun im Restaurant war, auf Getränkeautomaten oder in den verschiedenen Souvenirshops im Park. Immer mit der Botschaft, zu Recyceln, Plastikabfall zu vermeiden und sich um den Planet zu sorgen. Die Tiergehege waren groß und sauber. Auch wenn der Park vielleicht nicht sehr groß wirkt, befinden die meisten beeindruckenden Aquarien sich unterirdisch. Oceanogràfic hat eine große Auswahl an Tierarten, verteilt auf verschiedene Gebiete, die einen mitnehmen auf eine atemberaubende Reise rund um die Welt. Von spanischen Flussläufen und dem Mittelmeer bis zum Roten Meer, dem Nordpol, Antarktika und den verschiedenen Inseln der Welt. Ártico ist ganz klar das beeindruckendste Gebäude des Parks. Besucher kommen in ein gigantisches, zwölf Meter hohes Iglu, das in zwei Etagen unterteilt ist. Viele verschiedene Tierarten die im arktischen Ökosystem leben, sind hier zu finden. Man beginnt am höchsten Punkt, wo man von oben eine Übersicht hat auf die Gehege. Arten wie Seehunde, Papageitaucher, Quallen und arktische Fische bewohnen dieses Ökosystem. Am Ende kommt man auch zu Eselspinguinen der antarktischen Region. Ganz klar sind die Belugas die beeindruckendsten Tiere, die man grazil entlang der Panoramascheibe vorbeigleiten sehen kann. Nah vor der Scheibe, wo man das ganze Tier aus der Nähe sehen kann, begreift man wie groß diese Tiere eigentlich sind. Ihr Gehege ist mit weißen Felsen und lebenden Fischen zur Beschäftigung ausgestattet. Auffallend und viel beachtet ist die Raktion der Besucher auf die Belugas. Mit Geräuschen oder Wörtern der Bewunderung nähern sich die Besucher der Glasscheibe der Tiere. Von fast jeder Person gab es eine visuelle Reaktion, wenn sie zur Scheibe kamen. Blicke der Bewunderung, Menschen die ein Foto von sich mit einem Beluga zu machen versuchen, oder ihre Hand ans Glas legen als ob sie versuchen, eine Art Bindung mit den Tieren aufzunehmen, es ist klar eine Art Zuneigung, die Menschen für diese Tiere empfinden. Etwas, was man bei den anderen Aquaren nicht sieht, auch nicht bei den anderen beliebten Arten wie Haien, Seehunden oder Pinguinen. Es ist diese Verbindung zu den Tieren, die diese Legitimität, diese "Rechtfertigung" für Zoos und Aquarien schafft. Man sieht, dass das direkte Erfahren dieser Tiere einen Effekt auf Menschen hat. Dasselbe Gefühl von Ehrfurcht, das die ersten Menschen im Boston Aquarial Gardens oder Coney Island im 19. Jahrhundert hatten, dieses Gefühl, den Moment festhalten zu wollen, oder eine tiefere Verbindung mit den Tieren zu schaffen. Und so letztendlich auch diese Tiere schützen zu wollen, nachdem man sie von so nah gesehen hat, und etwas über die Gefahren gelernt hat, mit denen sie in der Wildnis konfrontiert werden..  

 Fotos: De Belugsa beim Training hinter den Kulissen, die Tiere machten einen aktiven Eindruck und hatten viel Interaktion mit den Trainern.

Schlussfolgerung

Ich habe diesen Artikel "eine Zukunft für Belugas" genannt. Während ich zunächst die Zukunft der Tiere in Menschenobhut in Europa meinte, hab ich nun das Gefühl, dass ich eine viel breitere Bedeutung dieses Begriffs angeschnitten habe. Während des Untersuchens und Besuchens beider Einrichtungen in Island und Spanien, wird eines sehr deutlich. Auch wenn beide Einrichtungen im Konzept sehr verschieden sind, haben sie genau dieselbe Vision! Das Essentielle beider Einrichtungen ist, dass sie das Wohlergehen der Tiere bewahren wollen und die bestmöglichen Lebensumstände bieten wollen, während sie die Tiere auch für Forschungen einsetzen wollen, und für Edukation und Naturschutz. Das bedeutet, dass die Tiere in beiden Einrichtungen direkt und indirekt ihren wilden Artgenossen zugute kommen. Wodurch es nicht nur um die Zukunft dieser individuellen Tiere geht, sondern um die Zukunft der ganzen Art. Das ist meiner Meinung nach eine sehr schöne Schlussfolgerung! Angesichts dessen, dass Belugas in Menschenobhut 60 oder vielleicht sogar 70 Jahre alt werden können, können diese vier europäischen Tiere noch viele Jahre beitragen an Forschungen, Bildung und Naturschutz. Während meiner Besuche dieser Einrichtungen spukte ein Gedanke in meinem Kopf herum: "Wie toll wäre es, wenn diese zwei Einrichtungen zusammen arbeiten würden. Um die Lebensqualität von Belugas in Menschenhand in Europa, aber auch als Art im Allgemeinen zu verbessern?" Wo ich in erster Linie dachte, dass dies wahrscheinlich nicht realistisch ist, bin ich froh, zu hören, dass Oceanogràfic bereit ist, Kontakt aufzunehmen, und möglicherweise sogar einen Besuch zu machen im SEALIFE Trust Beluga Sanctuary! Das zusammen mit den Anstrengungen die beide Betriebe unternehmen, um diese Art zu halten und zu erhalten -Anstrengungen die ich sehen konnte – lassen mich deken, dass es doch eine Zukunft für Belugas gibt. Nicht nur in Europa, sondern als Art mit der wir diesen Planeten teilen. 

 Fotos: Kylu, der einzige in Menschenobhut geborene Beluga in Europa. Was hält die Zukunft für ihn und seine Artgenossen bereit? Das werden wir in den kommenden Jahren sehen.